SÜDLICHES OBERBAYERN. Polizeipräsident Frank Hellwig und Polizeivizepräsident Michael Siefener veröffentlichten am heutigen Dienstag, 17. März 2026, den Sicherheitsbericht 2025 für das südliche Oberbayern.
Polizeipräsident Frank Hellwig: „Die Sicherheitslage im südlichen Oberbayern war auch im Jahr 2025 sehr gut. Erfreulicherweise verzeichneten wir im vergangenen Jahr einen Rückgang bei den erfassten Gesamtstraftaten. Damit gehören wir zu den sichersten Regionen Deutschlands. Die Kriminalitätsbelastung lag im vergangenen Jahr erneut unter dem bereits sehr guten bayernweiten Durchschnittswert. Gleichzeitig ist es uns gelungen, die ohnehin schon ausgezeichnete Aufklärungsquote weiterhin über dem bayerischen Durchschnitt zu halten. Neben der unmittelbaren Kriminalitätsbekämpfung - bei zahlreichen Einsatzlagen von der Zugspitze über den Chiemsee bis zum Watzmann - waren wir auch bei einer Vielzahl von Veranstaltungen und Versammlungen gefordert. Ich danke unseren Kolleginnen und Kollegen von Herzen für ihren herausragenden Einsatz und ihr großes Engagement! Es ist uns ein besonderes Anliegen, in diesen bewegten Zeiten der Anker und eine verlässliche Stütze zu sein, auf die die Bürgerinnen und Bürger vertrauen können“
Polizeivizepräsident Michael Siefener: „Insbesondere die sogenannten Schockanrufe haben unsere Einsatzkräfte stark gefordert. Über organisierte Callcenter-Banden werden vornehmlich ältere Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen systematisch am Telefon unter Druck gesetzt und dazu gebracht, Kriminellen hohe Bargeldbeträge und Wertgegenstände auszuhändigen. Diese perfide und verabscheuungswürdige Vorgehensweise hat in unserem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr zu einem Gesamtschaden von mehr als fünf Millionen Euro geführt; fast eine Verdoppelung im Vergleich zu 2024. Durch skrupellose Täter können ganze Existenzen bedroht werden. Wir haben unsere Fahndungs- und Ermittlungskonzepte intensiviert und konnten so wiederholt Abholer und Hintermänner ermitteln und aus dem Verkehr ziehen. Trotzdem bleibt die Welle der Schockanrufe leider ungebrochen, da die Täterinnen und Täter äußerst professionell vorgehen und weiterhin viele Menschen auf diese Masche hereinfallen. Umso wichtiger ist unsere Präventions- und Aufklärungsarbeit nicht nur in der Allgemeinbevölkerung, sondern gezielt auch beispielsweise bei Banken. Unser eindringlicher Appell: Seien Sie bei Anrufen, Kurznachrichten, Whats-App-Nachrichten oder Emails mit denen Sie zur Herausgabe von Geld oder Wertgegenständen aufgefordert werden, stets äußerst skeptisch. Und ganz wichtig: Informieren Sie bitte möglichst schnell die Polizei, wenn Täter mit Ihnen Übergaben ausmachen wollen, am besten über die „110“! Je schneller wir die Fahndung aufnehmen können, desto größer die Chancen auf Festnahmen. Sensibilisieren Sie bitte auch Ihre Angehörigen!“
Die nachfolgende Übersicht verdeutlicht die wesentlichsten Entwicklungen. Ausführliche Informationen zu allen Phänomenbereichen und Deliktsfeldern sowie zu den Organisationseinheiten können dem Sicherheitsbericht 2025 des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd entnommen werden. Diesen finden Sie unter folgendem Link:
Wichtige Entwicklungen auf einen Blick
Gesamtentwicklung
Entwicklung mit ausländerrechtlichen Straftaten
Entwicklung ohne ausländerrechtliche Straftaten
5-Jahres-Entwicklung
Diebstahlsdelikte
Im Bereich der Diebstahlsdelikte gab es einen Rückgang um 589 Straftaten, also 5,4 %.
Rauschgiftdelikte
Am 1. April 2024 trat das Cannabisgesetz (CanG) in Kraft. Dies hat zur Folge, dass der Umgang mit der Droge im erlaubten Bereich nicht mehr so wie vorher unter Strafe gestellt ist. Der deutliche Rückgang der Rauschgiftdelikte in der polizeilichen Kriminalstatistik lässt sich damit erklären.
Politisch motivierte Kriminalität
Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 805 Straftaten erfasst (2024: 708; + 13,7 %). Bei mehr als der Hälfte (53,93 %) aller registrierten Straftaten aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität-links handelt es sich um Sachbeschädigungen. Der größte Anstieg ist im 1. Quartal zu verzeichnen. Diese stehen im Zusammenhang mit den vorgezogenen Bundestagswahlen und dem dabei beschädigten Wahlkampfmaterial. Weitere 45,45 % sind sonstige Straftaten, wie z.B. Beleidigungen, die im Zusammenhang mit dem vermehrten Versammlungsgeschehen stehen können.
Legenden- / Callcenter Betrug
Bei den Opfern handelt es sich hier sehr häufig um Personen, deren finanzielle Existenz unmittelbar und in kurzer Zeit bedroht ist. Besonders perfide und menschenverachtend sind die sogenannten „Schockanrufe“, die noch immer in unregelmäßigen Abständen, teils in massiven Wellen erfolgen. Im Mittelpunkt der Masche steht die gezielte Telefonanrufserie von Call-Centern, die sich häufig im Ausland befinden. Insbesondere ältere Menschen werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen massiv unter Druck gesetzt. Typische Täterbehauptungen sind beispielsweise: Ihre Tochter hatte einen Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch getötet wurde. Zahlen Sie eine Kaution in Höhe von 30.000 Euro. Die Angerufenen werden dazu veranlasst, ihr Erspartes an vermeintliche Polizeibeamte zu übergeben, die das Geld angeblich zur Freilassung der festgenommenen Angehörigen überbringen sollen.
Die psychische Einwirkung der Täter ist derart intensiv, dass sich viele Opfer kaum noch zur Wehr setzen können und in zahlreichen Fällen ihre Ersparnisse oder Wertgegenstände - teilweise im sechsstelligen Bereich- herausgeben. In den meisten Fällen wird die Polizei erst lange nach der Geldübergabe verständigt; dadurch werden Fahndungs- und Ermittlungsansätze erheblich erschwert.
Die Gesamtschadenssumme durch Schockanrufe belief sich im Jahr 2025 auf mehr als 5 Millionen Euro und lag damit bei mehr als 2,6 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Im letzten Jahr konnten 18 Tatverdächtige vorläufig festgenommen werden.
Auch im Jahr 2025 haben die kriminalpolizeilichen Fachberater ihre Aufklärungsarbeit u.a. zum Thema Callcenter-Betrug mit verstärktem Einsatz fortgeführt. In etwa 1.700 Präventionsveranstaltungen wurden mehr als 46.000 Menschen direkt erreicht und u.a. für die besonderen Gefahren dieser Maschen sensibilisiert.
Wir passen konsequent unsere Ermittlungsarbeit, Fahndungs- und Konzeptmaßnahmen an die sich wandelnden Täter- und Betriebsstrukturen an. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Täterstrukturen und -netzwerke nachhaltig zu zerschlagen, Betrugsfälle frühzeitig zu erkennen und potentielle Geschädigte bestmöglich zu schützen.
Unser Appell: Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über die verschiedenen Formen des Callcenter-Betrugs und sensibilisieren Sie besonders ältere Familienmitglieder für diese Gefahren.
Bei Hinweisen oder Fragen zur Prävention stehen Ihnen die Polizeidienststellen sowie die kriminalpolizeilichen Fachberater jederzeit zur Verfügung.
Grenzüberschreitende Kriminalität
Im Rahmen der Personen- und Sachfahndung führten die Kontrollen der Bayerischen Grenzpolizei im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 2025 zu insgesamt 5.557 Fahndungstreffern (2024: 4.900; + 13,4 %).
Die Fahndungstreffer in den besonderen Deliktsfeldern der grenzüberschreitenden Kriminalität, insbesondere im Bereich Betäubungsmittel, Kfz-Kriminalität, Urkundsdelikte, waffenrechtliche und ausländerrechtliche Verstöße fielen von 3.446 auf 2.803 bzw. um 18,7 %.
Ebenso sind bei den unerlaubten Einreisen und Schleuserfällen rückläufige Zahlen feststellbar. Die Bayerische Grenzpolizei stellte 2025 im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 396 unerlaubte Einreisen (2024: 688 bzw. -60 %) und 39 Schleuserfälle (2024: 77 bzw. -51 %) fest.
Einsatzzentrale
Durch die Einsatzzentrale wurden im vergangenen Jahr 112.980 Notrufe entgegengenommen (2024: 109.808), dies bedeutet im Schnitt 309 Notrufe täglich (2024: 300). Insgesamt wurden im Jahr 2025 184.420 Einsätze koordiniert (2024: 179.670).
Einsatzbelastung durch Versammlungen und Veranstaltungen
Im Jahr 2025 wurden 821 öffentliche Versammlungen im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd registriert. Dies stellt einen Rückgang von 16 % der gemeldeten Versammlungen gegenüber dem Vorjahr (2024: 975) dar. Darüber hinaus waren die Beamten bei 6.746 sonstigen Veranstaltungen eingebunden (2024: 5.079).
Gefahrenquelle Alpenraum - Einsatzbelastung Alpiner Einsatzzug
Der Alpine Einsatzzug des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ist in drei Alpine Einsatzgruppen (Mitte, Ost und West) gegliedert. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 717 Einsätze (2024: 338) mit insgesamt 6.280 Einsatzstunden (2024: 4.354) durch diese Einsatzkräfte bewältigt. Dabei verloren 42 Personen ihr Leben im alpinen Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd (2024: 40), 379 Personen wurden verletzt (2024: 135).
Kriminalitätslage regional
(ohne ausländerrechtliche Delikte)
Hinweis: Die regionalen Zahlen werden in Form von Sicherheitsgesprächen bei der Stadt Rosenheim bzw. den Landratsämtern im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bekannt gegeben. Hierzu werden noch gesondert Einladungen erfolgen.
Datengrundlage des Sicherheitsberichts ist in erster Linie die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). In der PKS werden deutschlandweit alle polizeilichen Straftaten nach dem Strafgesetzbuch und dem Nebenstrafrecht, ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte, erfasst. Die wesentlichen Aussagen für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd werden in dieser Pressemitteilung zusammenfassend dargestellt.
Der polizeilich zu betreuende Schutzbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd beinhaltet eine Fläche von 9.180 Quadratkilometer, 438 Kilometer Grenzverlauf zu Österreich und mit der Zugspitze den höchsten Punkt Deutschlands. Dieser geografische Zuständigkeitsbereich gliedert sich in die kreisfreie Stadt Rosenheim sowie die neun Landkreise Altötting, Bad Tölz-Wolfratshausen, Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Mühldorf am Inn, Rosenheim, Traunstein und Weilheim-Schongau. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit seinen Dienststellen ist hier für die Sicherheit von rund 1,3 Millionen Einwohnern (Stand: 31.12.2025) zuständig.
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