OBERFRANKEN. Am Mittwoch stellte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann das Landeslagebild Bayern 2025 zur Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte vor. Auch das Polizeipräsidium Oberfranken gibt einen Überblick über die Entwicklung der Fallzahlen in der Region.
Entwicklung der Fallzahlen
Im Jahr 2025 wurden in Oberfranken insgesamt 594 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte registriert. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem leichten Anstieg um zwei Fälle beziehungsweise 0,3 Prozent. Damit bewegen sich die Fallzahlen auf einem gleichbleibenden hohen Niveau.
Während die Gesamtzahl der Straftaten gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert blieb, entwickelten sich die einzelnen Deliktsbereiche unterschiedlich.
Besonders deutlich stieg die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen. Hier wurden im Jahr 2025 23 Fälle registriert, gegenüber 15 Fällen im Jahr 2024. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 53 Prozent.
Auch die Zahl der tätlichen Angriffe auf Vollstreckungsbeamte nahm zu. Sie stieg von 188 Fällen im Jahr 2024 auf 220 Fälle im Jahr 2025 (+17 Prozent).
Rückläufig waren dagegen die vorsätzlichen Körperverletzungen. Hier wurden 20 Fälle registriert, was einem Rückgang um 37,5 Prozent entspricht. Ebenfalls gesunken sind die Fallzahlen bei den Beleidigungen (-7,2 Prozent auf 194 Fälle) sowie bei den Widerständen gegen Vollstreckungsbeamte (-7,8 Prozent auf 95 Fälle).
In die Auswertung fließen unter anderem Tötungsdelikte, Körperverletzungsdelikte, Widerstandshandlungen, Bedrohungen, Beleidigungen sowie tätliche Angriffe gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte ein.
Die Aufklärungsquote der gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte gerichteten Straftaten lag im Jahr 2025 bei 99,8 Prozent.
Versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten
Leider musste auch im Jahr 2025 erneut ein versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil von Polizeibeamten registriert werden.
Der Vorfall ereignete sich Ende März in Coburg. Polizeikräfte nahmen einen 19-jährigen deutsch-italienischen Mann fest, der nach einer vorausgegangenen Auseinandersetzung mit seiner Mutter vom Tatort geflüchtet war. Im Verlauf der Festnahme griff der Tatverdächtige die eingesetzten Beamten im Rahmen einer Widerstandshandlung mit einem Einhandmesser an und führte mehrere Stichbewegungen gegen zwei Polizeibeamte aus.
Die beiden Beamten erlitten hierbei leichte Schnittverletzungen am Hinterkopf, am Unterarm sowie an der Hand.
Tatorte
Der überwiegende Teil der Übergriffe ereignete sich erneut im öffentlichen Raum. Straßen, Wege und Plätze machten mit über 44 Prozent den größten Anteil der Tatorte aus.
Mit einem Anteil von 21 Prozent fanden die Taten am zweithäufigsten im privaten Umfeld der Tatverdächtigen, insbesondere in deren häuslichen Bereichen, statt.
An dritter Stelle folgen Polizeidienststellen. Insgesamt wurden dort 75 Fälle registriert.
Polizeiliche Maßnahmen
Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte steht häufig im unmittelbaren Zusammenhang mit polizeilichen Maßnahmen, insbesondere bei Festnahmen oder Identitätsfeststellungen.
Im Jahr 2025 stieg erneut die Zahl der Fälle, bei denen keine polizeiliche Maßnahme vorausging. Insgesamt wurden 55 Fälle registriert. Dies entspricht 9,3 Prozent aller Fälle und einem Anstieg um 19,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (46 Fälle).
Mit 235 Fällen ereignete sich der Großteil der Übergriffe im Zusammenhang mit Festnahmen, Gewahrsamnahmen oder Unterbringungen.
An zweiter Stelle folgen Identitätsfeststellungen und Sachverhaltsklärungen mit 129 Fällen. Weitere Anlässe waren Platzverweise, Blutentnahmen beziehungsweise Drogentests, Kontrollen und Verkehrskontrollen sowie Durchsuchungen.
Tatmittel und Begehungsweisen
Die häufigsten körperlichen Angriffe erfolgten durch Treten (128 Fälle) sowie durch Schläge mit der Hand oder Faust (89 Fälle). In 26 Fällen wurden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte gebissen.
In einigen Fällen kamen zudem Tatmittel zum Einsatz. So führten Tatverdächtige in zwei Fällen eine sonstige Schusswaffe mit sich; in einem Fall wurde diese eingesetzt.
Darüber hinaus wurden in zwölf Fällen Hieb- oder Stichwaffen verwendet oder mitgeführt. In fünf Fällen diente ein Kraftfahrzeug als Tatmittel.
Tatverdächtige
Im Jahr 2025 konnten insgesamt 510 Tatverdächtige ermittelt werden. Davon waren über 83 Prozent männlich. Rund 79 Prozent besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit.
Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen (314 Personen) stand zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol, Betäubungsmitteln oder Medikamenten.
Fazit
Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte bewegt sich in Oberfranken seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Das Polizeipräsidium Oberfranken stellt unmissverständlich klar, dass Gewalt gegen Einsatzkräfte durch nichts zu rechtfertigen ist. Die oberfränkische Polizei wird auch künftig konsequent gegen Gewalttäter vorgehen und Straftaten mit aller Konsequenz verfolgen.