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13.07.2020, Landeskriminalamt


10. August 1994 – Sicherstellung von kernwaffenfähigen Plutonium 239 (Die spektakulärsten Fälle des Bayerischen Landeskriminalamtes)


"Kartoffeln wurden besser bewacht" - Nuklear-Schmuggel nach Auflösung der Sowjetunion


Übersicht

Die Nachwehen der Auflösung der UdSSR im Jahre 1991 hielten die deutschen Behörden nicht nur in politischer Hinsicht in Atem.

Bereits 1992 bis 1993 konnten 109 Fälle von tatsächlichem oder versuchtem Schmuggel radioaktiven Materials aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR verzeichnet werden. Die Mengen der radioaktiven Stoffe waren jedoch in den meisten Fällen als gering einzustufen. Aus diesen 109 Fällen stachen jedoch 3 Fälle heraus, in denen hohe Mengen nuklearer Stoffe entwendet wurden. Umbrüche auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer, aber vor allem auf sicherheitstechnischer Ebene waren Teil des Treibstoffs, der den Diebstahl radioaktiver Stoffe weiterhin befeuerte.

Für die Täter ergab sich auch ein gewisser finanzieller Anreiz: Ein Chemieingenieur, der 1993 für die Erbeutung von 1,5 kg waffenfähigem, hochangereichertem Uran aus einer wissenschaftlichen Anlage in Podolsk verurteilt wurde, gab an, zuvor in einer russischen Zeitung darüber gelesen zu haben, wie man „ein Vermögen“ mit dem Verkauf von hochangereichertem Uran verdienen könnte. Der Ingenieur wurde auf dem Bahnhof in Podolsk verhaftet. Er befand sich auf dem Weg nach Moskau, um dort das radioaktive Material zu veräußern.

Im gleichen Jahr schlüpfte ein ehemaliger Marineoffizier zusammen mit einem Komplizen durch ein unbewachtes Tor in die Sevmorput Schiffswerft in der Nähe von Murmansk – eine der wichtigsten Lagereinrichtungen für nuklearen Treibstoff der russischen Marine. Hier gelang es ihnen, Material mit 4,5 kg Uran zu endwenden, welches zu 20 % angereichert war. Da die Täter die Hintertür des Lagergebäudes offen ließen, blieb der Diebstahl nicht lange geheim. Laut dem russischen Militär-Staatsanwalt, der die Untersuchungen führte, wurden Kartoffeln besser bewacht als der radioaktive Marine-Treibstoff. Und das, obwohl dieser hoch angereichert und in einigen Fällen sogar waffenfähig war.

In beiden Fällen war es noch möglich, die nuklearen Stoffe zu beschlagnahmen, bevor sie russischen Boden verlassen konnten. Anders sah es im Jahr 1994 aus. Der Nuklear-Schmuggel sollte nun bayerischen Boden erreichen.


1994 – Der Nuklear-Schmuggel erreicht den Süden Deutschlands


Der überraschende Fund von 5,6 g nahezu reinem Pu 239 am 10. Mai 1994 in Tengen (Baden-Württemberg) versetzte die deutschen Behörden in Alarmbereitschaft. Das Plutonium war bei der Durchsuchung einer Garage sichergestellt worden. Der Besitzer der Garage stand eigentlich unter dem Verdacht der Geldfälschung.

Nur einen Monat später wurden 800 mg hochangereichertes Uran (angereichert zu 87,8 % U 235) in Landshut beschlagnahmt.

Die Behörden mussten sich nun mit brisanten Fragen auseinandersetzen: Existierte ein illegaler Vermittlermarkt für nukleares Material in Deutschland? Wer waren die Endabnehmer? Bestand für Deutschland eine Gefahr durch Staatsterrorismus?


Das BLKA und der Fall "Lufthansa/München"


Am 10. August 1994, nur wenige Wochen nach Sicherstellung des Urans in Landshut, konnte der BND zusammen mit dem BLKA in einer verdeckten Operation ein Gepäckstück des Fluges Lufthansa 3369 von Moskau nach München sicherstellen.

In diesem Koffer befanden sich mehrere hundert Gramm Lithium 6 und ein Metallcontainer mit 560 g einer gemischten Substanz aus Uran und Plutonium. Diese Beschlagnahme stellte bei Weitem die bis dahin größte Menge an waffenfähigem Material dar (363 g Pu 239), die im Westen entdeckt worden war. Im Zuge der verdeckten Operation wurden die am Schmuggel beteiligten Personen, ein kolumbianischer und zwei spanische Staatsangehörige, verhaftet.
Russische Amtsträger bestritten eine Verbindung zu dem nuklearen Material und warfen den deutschen Behörden eine Inszenierung vor mit dem Ziel, die russische Nuklear-Industrie zu diskreditieren.

Der Lufthansa-Fall war wegweisend, da er die Existenz eines international agierenden Netzwerks für die illegale Beschaffung von radioaktivem Material aufzeigen konnte. Mögliche Endabnehmer blieben allerdings weiterhin im Dunklen. Da dem BND vorgeworfen wurde, die Nachfrage künstlich provoziert zu haben, zog der Fall 1995 einen Untersuchungsausschuss des Bundestags nach sich. Dieser kam 1998 zu dem Ergebnis, dass „der BND weder in München noch in seiner Residentur in Madrid diesen Plutoniumfall eingefädelt [hätte]… die bayerische Polizei mit der Münchner Staatsanwaltschaft [hätte] das behördliche Handeln bestimmt.“ Die Verdächtigen wurden im Juli 1995 zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt

Obwohl Indizien darauf hinweisen, dass das Plutonium durchaus sowjetischen Ursprungs sein könnte, kann die Herkunft des Materials nicht abschließend geklärt werden, weil ein Katalog von Signaturen spaltbaren Materials aus sowjetischer Produktion fehlt. Ein technischer Abgleich des Plutoniums ist somit nicht möglich.

Am 14. Dezember 1994 konnte die tschechoslowakische Polizei 2,72 kg hochangereichertes Uran in Prag beschlagnahmen. Das Material war identisch mit den 800 mg Uran, die im Juni in Landshut sichergestellt wurden.

Nuklear-Schmuggel beschäftigt die deutschen Sicherheitsbehörden bis heute.


 

 

 

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