06.05.2021, Polizeipräsidium Unterfranken

Der Parcours

Die Schüler*innen werden im Vorfeld des Parcours inhaltlich auf die Thematik vorbereitet. Dies übernehmen Lehrkräfte oder Präventionsbeauftragte an den Schulen, ggf. auch Schulpsychologen bzw. sonstige pädagogische Fachkräfte. Beim eigentlichen Parcours sind die Lehrer*innen jedoch nicht anwesend. Während des Projekts werden folgende Inhalte an die Schüler*innen vermittelt:

  • Einführung in die Suchtproblematik (Suchtentstehung, Suchtmechanismen)
  • Konsummuster (Welche Süchte gibt es?)
  • Psychosoziale Risiko- und Schutzfaktoren (Resilienz)
  • Aufklärung/Stoffkunde: Risiken und Auswirkungen von Cannabis und Research Chemicals (Neue psychoaktive Stoffe = NpS)
  • (Straf-)Rechtliche Konsequenzen
  • Auswege aus der Sucht – Wo kann ich Hilfe finden?

 

2.1. Informationen der Polizei

Neben Substanzwissen zu Cannabis und Kräutermischungen, werden die körperlichen, psychischen und sozialen Folgen sowie rechtliche Konsequenzen von Drogenkonsum thematisiert. Welche äußerst gefährlichen Inhaltsstoffe in Legal Highs enthalten sind, wird am Beispiel der „Tüte voller Mist“ veranschaulicht. Hier sind die enthaltenen Kräuterabfälle noch das geringste Übel - im Gegensatz zu synthetischen Cannabinoiden und Felgenreiniger - diese können auch beim Erstkonsum dramatische Gesundheitsfolgen für Jugendliche haben, bis hin zum plötzlichen Herzstillstand.

 

2.1.1 Cannabis

  • Ursprung Cannabis/Hanfpflanze
  • Relevanter Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol)
  • Erscheinungsformen, Unterscheidung Marihuana/Haschisch
  • Gängige Konsumformen
  • Rechtliche Betrachtung i. S. des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG)

 

2.1.2 Legal Highs

  • Was sind eigentlich Legal Highs?
  • Erscheinungsformen
  • Konsumformen
  • Herstellung / Inhaltsstoffe bzw. Bestandteile
  • Rechtliche Betrachtung i. S. des Betäubungsmittelgesetzes/

Beim Unterpunkt „Herstellung/Inhaltsstoffe“ kommt die „Tüte voller Mist“ zum Einsatz. Eine überdimensional gestaltete „Kräutermischungstüte“ wird den Schülern präsentiert. Aus der Tüte werden nach und nach Gegenstände entnommen, welche die tatsächlichen Inhaltsstoffe verdeutlichen sollen.

Im Einzelnen sind dies:

  • Tee/Kräuterabfall bzw. Verschnitt - (als Trägergrundstoff für die Herstellung)
  • Alte Kerzen/Wachsabfälle - (Stoff zur Rauchentwicklung)
  • Aceton/Lösungsmittel/Felgenreiniger - (benötigt zum Anlösen der synth. Cannabinoide)
  • Schraubverschlussgefäß mit weißem Pulver - (stellv. für synthetische Cannabinoide)
  • Betonmischmaschine (klein) - (als Anschauung für die Herstellung)

 

2.1.3 Körperliche, soziale und psychische Auswirkungen

Auswirkungen auf den Körper

  • Den Schülern sollen die Auswirkungen dargelegt werden, die durch den Konsum von Betäubungsmitteln entstehen
  • Verdeutlichung der Gefährlichkeit (insbesondere von Legal Highs) mit dem Hinweis auf Krankenhausaufenthalte, bis hin zu Todesfällen

Auswirkungen auf die Psyche

  • Hier soll den Schülern deutlich gemacht werden, dass die Auswirkungen auf die Psyche weitreichend und sehr langwierig sein können; insbesondere auch in Bezug auf die Veränderung des sozialen Umfeldes.

Auswirkungen auf das soziale Umfeld

  • Verschlechterung schulischer Leistungen
  • Möglicher Verlust des Arbeitsplatzes
  • Distanzierung vom Freundeskreis
  • Verlust des Führerscheins
  • Schulden

 

2.1.4 Rechtliche Konsequenzen (Darstellung anhand Würfelpyramide)

Im Einzelnen sollen hier die involvierten Institutionen und die jeweiligen Konsequenzen anhand der mehrseitig beschrifteten Würfelpyramide dargelegt werden.

Polizei:

  • Personenkontrolle, Durchsuchung, Anzeige, Vernehmung, Erkennungsdienstliche Behandlung, etc.

Staatsanwaltschaft / Gericht:

  • Anklage, Verhandlung, Strafbefehl, Verurteilung, Arrest, Haft, etc.

Fahrerlaubnisbehörde:

  • Führerscheinentzug/-sperre, Nachschulung, Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU), Kosten für neuen Führerschein und Schulungsmaßnahmen etc.

Jugendamt:

  • Termin, Gespräch mit Eltern, Hausbesuche, Heimunterbringung etc.

 

2.2 Suchtentwicklung

„Was ist Sucht und welche Phasen gibt es?“

Anhand von konkreten Konsumbeispielen, die die Schüler/innen zuordnen sollen, bekommen sie ein Gefühl für die Komplexität von Sucht.

  • Was bedeutet der Begriff „Sucht“?
  • Wie entwickelt sich eine „Sucht“?
  • Phasen der Suchtentstehung (anhand der vier Schilder von Schülern ordnen lassen):
  • Genuss - Missbrauch - Gewöhnung - Sucht
  • Schüler sollen die Begriffe in die richtige Reihenfolge bringen.

Wie definieren die Schüler die einzelnen Begriffe?

  • Statements und Zuordnung
  • Diskussion über den Satz: „Ich könnte niemals süchtig werden, weil…“
  • Schilder von verschiedenen Situationsbeschreibungen (z. B. „Bei Mike dreht sich alles um die nächste Dosis“) der jeweiligen Phase der Suchtentstehung zuordnen lassen
  • Woran kann man eine Suchterkrankung erkennen?
  • Wie definiert sich „Sucht“?

Das Wort hat etymologisch mit dem Wort „suchen“ NICHTS zu tun, sondern es kommt von siechen, also an einer Krankheit leiden. Sucht und Abhängigkeit werden synonym verwendet.

Definition:
„Sucht ist ein unabweichbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung der Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums.“ 1)

Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass die Grenze zwischen Genuss und Sucht fließend ist und jeder Genuss auch zur Sucht werden kann.

 

2.3. Konsummuster

Danach wird das eigene, ganz alltägliche Konsumverhalten reflektiert. Dabei kommt der Frage des „Wozu mache ich das?“ eine Schlüsselfunktion zu und kann Hintergründe auf evtl. problematisches Verhaltens öffnen.

Übungen: z. B. Suchtsack

Erarbeitung des Unterschiedes zwischen stoffgebundenen und stoffungebundenen Süchten.

 

2.4. Resilienz – Auftanken – Schutzmauer

In der letzten Station des Parcours werden Alternativen, Ressourcen und Schutzfaktoren aufgezeigt, die die Schüler*innen stark machen sollen und das Bewusstsein für ein Leben ohne Suchtmittel zu bewältigen.

Gemeinsam werden konkrete Handlungsalternativen zum Konsum erarbeitet und aufgezeigt. Es geht um die Klärung hilfreicher Fragestellungen, wie z. B.:

  • Was brauche ich im Leben, damit es mir gut geht?
  • Wo sind „Tankstellen“ in meinem Leben?
  • Was sind meine Talente und wo bin anderen wertvoll?
  • Was ist meine Identität?
  • Was sind meine Ziele?
  • Warum brauche ich KEINE Drogen.

 

1) (Wanke, Klaus 1985: Normal-abhängig-süchtig. Zur Klärung des Suchtbegriffs. In: Süchtiges Verhalten, Hrsg.: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren. Hamm. Hoheneck 1985. S. 20)